Am vergangenen Samstag liefen 118 Teilnehmerinnen und Teilnehmer stolz und glücklich nach knapp 17 Stunden Marschzeit auf dem Gotthardpass ein. Bei idealem Laufwetter und unter Einhaltung von bestimmter Bedingungen konnte der Wanderanlass trotz Corona-Virus durchgeführt werden.

Um ein Haar wäre auch der Gotthardmarsch dem Corona-Virus zum Opfer gefallen. Doch dank den gelockerten Restriktionen von Ende Mai und einem eigens erarbeiteten Schutzkonzept, konnte man grünes Licht geben. «Der grosse Vorteil ist, dass unser Anlass im Freien stattfindet und mit unter 300 Teilnehmenden nicht als Grossveranstaltung gilt», begründet Paul Dubacher, Organisator und Wanderleiter. So konnte Dubacher am vergangenen Samstagmorgen 125 gut trainierte und motivierte Personen in Altdorf zum Gotthardmarsch begrüssen. Bereits um 01.30 Uhr versammelte sich die Gruppe beim Telldenkmal, wo die Busse der AUTO AG URI und der Gepäcktransport bereitstanden. Nach einer ruhigen Fahrt nach Seelisberg, bei der man nochmals auf die geltenden Mindestabstände aufmerksam machte und an die Eigenverantwortung appellierte, nahm die Gruppe das erste Teilstück pünktlich um 02.40 Uhr in Angriff. «Die Dunkelheit macht den ersten Abschnitt des Gotthardmarsches gleich zu einer Herausforderung, die viel Konzentration verlangt. Entsprechend gross ist jeweils die Erleichterung, wenn alle gut in Bauen angekommen sind», so Paul Dubacher der mittlerweile jeden Meter der Strecke kennt. In Beckenried habe es leicht geregnet, aber schon in Seelisberg sei der Spuck wieder vorbei gewesen und man konnte die 70 Kilometer bei bestem Laufwetter bis auf den Gotthardpass gehen.

Engagiertes Begleitteam

Damit die Wandernden ihre Verpflegung und Ersatzkleidung nicht mittragen müssen, sorgt ein Begleitteam für einen Gepäcktransport. Insgesamt hievt das eingespielte Team an den neun Streckenposten über den Tag zusammengerechnet knapp 20 Tonnen Gepäck aus den Kleinbussen und wieder rein. Sie halten zudem ein waches Auge auf die Teilnehmenden und motivieren zum Weitermarschieren. «Auch für mich ist die Strecke kein Zuckerschleck und so bin ich froh um das eingespielte Begleitteam, welches am Eventtag für den reibungslosen Ablauf sorgt», meint Dubacher. In den ersten Jahren wartete jeweils ein einziges Begleitauto in Amsteg. Mittlerweile ist das Helferteam auf über 15 Personen angestiegen. Damit eine unkomplizierte und überschaubare Organisation gewährleistet ist, hält man an der Teilnehmerbeschränkung von rund 100 Personen fest. Wäre der Anlass grösser, wäre das so nicht mehr möglich. Im Vorfeld wird der Anlass von Dubacher minutiös vorbereitet. Neben der Zustandsüberprüfung der Strecke werden diverse Stellen wie Polizei, Sanität, Rega und das ASTRA über die Durchführung mit einem Zeitablauf informiert.

Wahrer Kraftakt mit besonderem Gruppengefühl

In den kurzen Pausen von jeweils 15 Minuten ist taktisches Schuhwechseln sowie Trinken und Essen gefragt. Eine gute Vorbereitung und die richtige Verpflegung unterwegs sind neben dem Durchhaltewillen das A und O beim Gotthardmarsch. Spätestens ab Andermatt spüren die Teilnehmenden die Strapazen und die Verletzungsgefahr steigt. Zur Sicherheit der Wanderer und zur mentalen Unterstützung warten in Andermatt Mitglieder des Samaritervereins auf die Wandergruppe. Wiederum konnte der Marsch ohne Zwischenfälle beendet werden. «Die Stimmung unter den Teilnehmenden ist trotz des enormen Kraftakts jeweils sensationell» schwärmt Dubacher und lobt das besondere Gruppengefühl.

Wer tut sich sowas an?

Der Wanderanlass ist seit Jahren weit über die Kantonsgrenzen hinaus bekannt und ist sehr beliebt. Etwa die Hälfte der Teilnehmenden hat den Marsch schon mindestens einmal absolviert. «Der Grossteil der Wandergruppe stammt aus der Zentralschweiz. Es reisen aber auch Personen von weiter her an», so die Urner Wanderlegende. War der Gotthardmarsch in den ersten Jahren eine reine Männersache, nahmen immer mehr Frauen am Wanderanlass teil. In den letzten Jahren waren sie sogar in der Überzahl. Auch was das Alter betrifft war die Gruppe sehr durchmischt. «Ich freue mich, dass am Samstag viele junge Frauen und Männer an der Wanderung dabei waren», freut sich der 75-jährige Wanderleiter, der selbst zu den ältesten Teilnehmern zählt.

Ein grosses Helferteam ermöglicht den Wanderanlass

118 stolze Teilnehmerinnen und Teilnehmer trafen kurz nach 18.30 Uhr auf dem Gotthardpass ein und durften ein Diplom entgegennehmen. Aufgrund von Umbauarbeiten am Hospiz und wegen der Abstandsregeln, welche im Zusammenhang mit dem Corona-Virus nach wie vor gelten, musste man auf ein gemeinsames Abendessen leider verzichten. Als Ersatz für die Stärkung am Etappenziel legte man ab Andermatt zwei längere Pausen ein. «Vreni Püntener und ihrer Familie hat uns grosszügig verköstigt und für die letzten Kilometer gestärkt», bedankt sich Dubacher bei der langjährigen Helferin und ergänzt: «auch Gusti Stettler gebührt ein grosser Dank für die selbstlose Mithilfe am Gotthardmarsch.» Sie und viele weitere Helferinnen und Helfer machen den Wanderanlass erst möglich. Allgemein wird dem Gotthardmarsch grosses Wohlwollen entgegengebracht und die Teilnehmenden loben die perfekte Organisation und das Zusammenspiel aller beteiligten Parteien. Darum ist klar, der nächste Gotthardmarsch findet am 26. Juni 2021 statt.